Was ist Krankheitsangst?

Kernmerkmal der Krankheitsangststörung (auch als „Hypochondrie“ bezeichnet) ist die Angst, eine schwere Krankheit zu bekommen, oder die Überzeugung, bereits erkrankt zu sein. Häufig befürchtete Krankheiten sind beispielsweise Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder AIDS.
Befürchtungen, eine ernsthafte Krankheit zu bekommen, kennen die meisten Menschen. Bei der pathologischen Form von Krankheitsangst fällt es den Betroffenen jedoch schwer, sich von Gedanken an eine mögliche Krankheit wieder zu lösen. Sie schätzen die Wahrscheinlichkeit an einer schweren Erkrankung zu leiden höher an als andere Menschen und verbinden Krankheit mit besonders negativen Vorstellungen. Das Ausmaß der Ängste und Befürchtungen kann dabei sehr unterschiedlich sein und bis hin zu Panikattacken, depressiven Folgeerscheinungen und Arbeitsunfähigkeit führen.

Akute Auslöser von Krankheitsängsten können ganz unterschiedliche körperliche Symptome wie z.B. Schwindel, Kopfschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden oder Muskelzuckungen sein. Betroffene richten ihre Aufmerksamkeit häufig verstärkt auf die Vorgänge in ihrem Körper, um mögliche Krankheitsanzeichen feststellen zu können. Häufig werden auch Ärzte konsultiert, um Beschwerden abklären zu lassen. Ein negativer Befund führt dabei aber oft nur kurzfristig zu Beruhigung. Andere Personen mit Krankheitsangst wiederum vermeiden es, zu Ärzten zu gehen. Viele Betroffene tasten den eigenen Körper immer wieder ab,  um mögliche Krankheitsanzeichen zu identifizieren („Body Checking“), suchen im Internet nach Symptomen oder vermeiden bestimmte Aktivitäten, die mit der befürchteten Erkrankung in Verbindung gebracht werden. Die Krankheitsängste können dann stärker werden, wenn Betroffene z.B. Fernsehberichte schauen oder Zeitungsartikel über Krankheiten lesen.

Angaben dazu, wie viele Menschen unter Krankheitsangst leiden, schwanken sehr stark. Eine Untersuchung der deutschen Allgemeinbevölkerung ergab, dass zum Befragungszeitraum 0,4% an pathologischer Krankheitsangst litten. Mildere Formen von Krankheitsangst waren hingegen deutlich häufiger (ca. 6 %). Frauen und Männer sind dabei ähnlich häufig von Krankheitsängsten betroffen. Die Mehrheit der Personen mit Krankheitsangst leiden zusätzlich noch unter einer depressiven Störung oder Angststörung (bspw. Panikstörung).

Erklärungsansätze

Das Zusammenspiel verschiedener Risikofaktoren erhöht die Wahrscheinlichkeit, unter Krankheitsangst zu leiden. Zu den Risikofaktoren zählen u.a. ein Erziehungsstil, bei dem körperlichen Symptomen mit viel Aufmerksamkeit und Besorgnis begegnet wird, sowie eine allgemein erhöhte Ängstlichkeit in der Persönlichkeit der Betroffenen.

Auslöser für Krankheitsängste sind häufig gesundheitsbezogene Lebensereignisse wie bspw. eine schwere Erkrankung im Umfeld der Betroffenen oder auch negative Erfahrungen mit dem medizinischen System. Auch andere Belastungsfaktoren, die unabhängig von der Gesundheit sind (z.B. beruflicher Stress, Trennung), können Krankheitsängste auslösen.

Verschiedene Bedingungen tragen zur Aufrechterhaltung der Krankheitsängste bei. Dazu zählt die verstärkte Aufmerksamkeit auf körperliche Prozesse, die dann wiederum das Entdecken körperlicher Veränderungen wahrscheinlicher macht und zu einer Fehlinterpretation dieser Veränderungen als Krankheitsanzeichen führen kann. Auch Verhaltensweisen, die zu einer kurzfristigen Beruhigung oder Erleichterung führen (Arztbesuche, Kontrollieren des Körpers, andere um Rat fragen, Symptome recherchieren), führen langfristig zu einer Verstärkung der Ängste. Zum einen fördern diese Verhaltensweisen die Fokussierung auf Körpersymptome und unterstützen eine katastrophisierende Bewertung von Körpersymptomen („Wenn der Arzt so viele Untersuchungen durchführt und Medikamente verschreibt, dann muss ich wirklich krank sein“). Darüber hinaus können diese Verhaltensweisen auch Körpersymptome auslösen. Beispiele dafür sind Hautirritationen, die durch intensives Abtasten ausgelöst wurden, Rückenschmerzen durch Muskelabbau in Folge von Schonung oder medikamenteninduzierter Kopfschmerz.

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